Chronik


1907 gehörte Wolfsgraben in den Zuständigkeitsbereich von vier katholischen Pfarren: Breitenfurt, Laab, Pressbaum und Purkersdorf. Es war daher der berechtigte Wunsch der Bevölkerung, zumindest eine eigene Kirche zu haben. Bürgermeister Josef Mitterstöger stellte anlässlich seines 25jährigen Bürgermeisterjubiläums 1898 einen Baugrund dafür zur Verfügung. Der Bau wurde neben der alten Kapelle an der Hauptstraße begonnen, doch Steine und Sand reichten nur für das Fundament und bis zu einem Meter Mauerhöhe. Als 1899 der Bürgermeister starb, war das vorläufige Ende des Kirchenbaues besiegelt.



Doch 1903 gab es einen zweiten Anlauf: Wiener und Wolfsgrabner Bürger gründeten einen Kirchenbauverein. Der erste Präsident war der Wiener Textilfabrikant August Polivka. 1906 erweiterte Herr Leopold Mitterstöger, der Sohn des verstorbenen Bürgermeisters, die Schenkung seines Vaters und somit konnte der Bau fortgesetzt werden. Im Herbst war das Dach fertig, aber damit waren die Geldreserven wieder erschöpft.

Kirchbauvereins-Präsident August Polivka erbat sich Hilfe bei Pater Anton Maria Schwartz, dem Gründer und ersten Generalsuperior der Kalasantiner in Wien 15. Der Orden übernahm die Fertigstellung des Kirchenbaues unter der Bedingung, dass ein kleines Kloster dazugebaut wird. Am 13. September 1907 läuteten das erste Mal die Glocken für Wolfsgraben. Am 24. Oktober desselben Jahres fand die feierliche Einweihung der Kirche durch Weihbischof Dr. Gottfried Marschall in Anwesenheit von Pater General Schwartz statt.



Am Abend davor zogen die Kalasantiner in das neue Wolfsgrabener Kloster ein: der erste Rektor, Pater Heinrich Burk und die Brüder Gerard, Remigius, Theodosius, Laurentius und Ämilianus. Ihre erste Aufgabe war das Gebet für die vielfältigen Tätigkeiten der Kalasantiner bei den ihnen anvertrauten Lehrlingen und Arbeitern; ihre zweite, ihren Mitbrüdern eine Möglichkeit für die Abhaltung der jährlichen Exerzitien zu bieten und die dritte, ihnen und den Priesterstudenten der Kalasantiner eine "Sommerfrische" zu sein.

Deshalb wurde das Wolfsgrabner Kloster bald "Bethanien" genannt. Den Kalasantinern oblag auch die Aufgabe, für die Wolfsgrabener Bevölkerung Gottesdienste zu halten, Sakramente zu spenden und das religiöse Leben zu fördern. Es war nicht immer leicht, im Laufe der wechselvollen Geschichte diese Aufgaben zu erfüllen. 1913 wurde auf Initiative Bruder Ferdinands eine Musikkapelle gegründet, die es mit Unterbrechungen bis nach dem zweiten Weltkrieg gab.

Der erste Weltkrieg brachte Einquartierungen von Soldaten im Haus (von 1916-1917) und natürlich Hunger und Kälte. Zum Glück war das Kloster zum Teil Selbstversorger - man hatte einen Gemüsegarten und Kleintiere - sodass trotz der kargen Zeit die letzten Bauschulden getilgt werden konnten.

Das erste Kriegerdenkmal im Wienerwald wurde am Ostersonntag 1922 in Wolfsgraben feierlich eingeweiht. Luise Gruber, 23 Jahre später als Ärztin selbst Opfer des Krieges, sprach das Festgedicht. Am 13. Juli 1924 fand die Eröffnung des Kinos im Klostersaal statt. Es wurde bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges gerne besucht.

Die Gemeinde Wolfsgraben bekundete am 14. Juni 1932 Interesse an einer eigenen Pfarre und diese wurde am 1. Jänner 1935 errichtet. Im Jahr 1933 wurde auch ein Friedhof angelegt.



Im Jahr 1937 besuchte Kardinal Innitzer Wolfsgraben zweimal. Am 3. April war Visitation, Firmung und seine Eminenz wurde zum Ehrenbürger ernannt und am 24. Oktober war 30-Jahr-Feier unserer Kirche, "ein Volksfest". In diesem Jahr wird auch der erste Pfarrbeirat der Pfarre Wolfsgraben gegründet.
Mit dem Anschluss an das Deutsche Reich im März 1938 begannen böse Zeiten für Kirche und Kloster. Ab 7. März 1941 durfte Pater Alexander Bredendick keinen Religionsunterricht mehr erteilen. Der pensionierte Weltpriester Michael Bugram übernahm diese Aufgabe. 1943 mussten auch die Seelsorgestunden im Pfarrhof eingestellt werden. Im Kinosaal wurde eine Forschungsabteilung der Semperitwerke untergebracht - Staatsgeheimnis! Die amerikanischen Bomber wussten es trotzdem. Am 13. Februar 1945 fielen Bomben, die zum Glück keinen Schaden anrichteten.

1945 Kriegsende: die Kirche und das Kloster verwüstet und geschändet. Nach mühevollen Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten begann unter Pater Franz Effenberger das kirchliche und klösterliche Leben wieder zu blühen.

Am 25. Oktober 1953 wurde eine vierte Glocke und am 16. Jänner 1956 eine neue Orgel geweiht. Erzbischof Dr. Franz König besuchte am 3. Juni 1956 zum ersten Mal Wolfsgraben. Pater Effenberger lässt 1960 Sakristei, Tauf- und Hauskapelle neu gestalten und über dem Hochaltar die Christusstatue neu errichten. Am Sonntag, dem 9. August 1964, wurde Pater Franz Effenberger mitten aus seinem arbeitsreichen Leben herausgerissen. Er hat in den 25 Jahren in Wolfsgraben sehr viel Religiöses, Kulturelles und Mitmenschliches angeregt und bewirkt.

1977 erfolgte unter Pater Imre Dittrich eine Außenrenovierung und 1979 die Innenrenovierung der Kirche. Einige Jahre später - inzwischen war Pater Felix Poschenreithner Pfarrer geworden - bahnte sich eine neuerliche Bauphase an. Am 14. Oktober 1987 gab es erste Gespräche über die Neugestaltung des Pfarrhofes und des Pfarrsaales. Am 9. Mai 1990 erfolgte die endgültige Zusage für den Neubau, der Spatenstich fand am 23. März 1991 durch Prälat Rudolf Trpin statt.

Der Neubau ging dank der Tatkraft und des wirtschaftlichen Verhandlungsgeschickes des Pater Felix Poschenreithners und vieler freiwilliger Helfer zügig voran, sodass um die Jahreswende 1993/1994 unser Pfarrzentrum fertig gestellt war. Am 16. Jänner 1994 erfolgte die Segnung durch Kardinal Gröer. Durch das Wirken Pater Felix' erblühte im neuen Haus reges Leben; für die Jungschar und die Senioren, für Feste und Veranstaltungen wurde es zur Heimstatt.



Entlang der Friedhofstraße entstand ein Kreuzweg, der im März 1996 geweiht wurde. Am 1. Mai desselben Jahres wurde die neue Josefsklause, im Wald hinter dem Friedhof gelegen, eingeweiht und bald darauf (15. Juni) gab es schon wieder ein freudiges Ereignis: Weihbischof Helmut Krätzl spendete das Firmsakrament.

Mit der Weihe des neuen Volksaltares am 24. Oktober 2000 wurden die Außen- und Innenrenovierung der Kirche abgeschlossen sowie die Hauskapelle fertig gestellt.
In den letzten Jahren waren wieder Pfarr-Firmungen, eine davon im Jahr 2002 mit Kardinal Schönborn. Im September 2002 wurde Pater Felix Poschenreithner von den Kalasantinern nach Brasilien geschickt, wo er in einer der ärmsten Gegenden dieses Landes (Diözese Nova Iguaçu) die Sorge für eine 80.000-Katholiken-Pfarre übernommen hat.

Ausgearbeitet von Alice Fröschl & Herbert Lechner anlässlich der 100 Jahr Feier im Jahre 2007